Den Kraftstoff vom eigenen Hof nutzen

Schlepper für den eigenen Kraftstoff

Dominik Dörrie

Tag der Gläsernen Produktion 2017

In der Ausgabe 6/2015 berichteten wir ausführlich über den Energiehof Weitenau und die Biomethan-Tankstelle, die dort seit Herbst 2015 in Betrieb ist. Gut zwei Jahre nach der großen Einweihung der Biomethantankstelle war es wieder an der Zeit, Öffentlichkeit und Politik über Vorteile und Erfahrungen mit der Biomethan-Mobilität zu informieren.

Neben mehreren hundert Besuchern kamen mit Norbert Barthle und Hans-Joachim Fuchtel Ende Juli gleich zwei parlamentarische Staatssekretäre auf den Energiehof des Betreiberehepaars Juliane und Winfried Vees. Bei einem „Tag der Gläsernen Produktion“ konnten sie sich aus erster Hand davon überzeugen, daß das vor Ort selbstproduzierte Biomethan aus Reststoffen und Abfällen bestens für den Betrieb eigener landwirtschaftlicher Fahrzeuge geeignet ist.

Winfried (rechts) und Juliane Vees (links) führten Staatssekretär Norbert Barthle (2. von rechts) über ihren Betrieb. Auch Birgit Maria Wöber (2. von links) vom CNG-Club stellte ihr Anliegen dar.

Schlepper für den eigenen Kraftstoff

Das besondere Highlight der Veranstaltung war daher der CNG-Prototyp des Schleppers T6.180 der Firma New Holland. Unter dessen Haube steckt ein 179 PS starker Sechszylinder-NEF-Motor von FPT Industrial. In Ausgabe 3/2017 erschien ein Bericht über den Praxistest des Schleppers auf dem Hof von Horst Seide.

Die Vorzüge liegen bei der aktuellen Diskussion um Dieselproblematik und Klimaschutz auf der Hand: Verglichen mit Diesel, stoßen Biomethan-Fahrzeuge 90 Prozent weniger CO2 und 80 Prozent weniger Stickoxide aus. Dazu kommt eine deutliche Betriebskosteneinsparung von bis zu 40 Prozent bei Verwendung von eigenem hergestellten Biomethan. Das alles bei vergleichbaren Leitstungswerten mit einem T6-Diesel-Standardmodell.

Norbert Barthle, Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und Digitale Infrastruktur, ließ sich von New-Holland-Unternehmenssprecher Klaus Senghaas auf dem Schlepper alle Details erklären.


 

 

CNG-Club e.V.

Genau auf diese Vorzüge der Biomethan-Mobilität wollte auch der in diesem Jahr neu gegründete CNG-Club hinweisen. Der Club ist eine Interessenvertretung, die den umweltfreundlichen Kraftstoff in der Öffentlichkeit voranbringen möchte.

Bewußt wählte der Verein zusammen mit den Eheleuten Vees den Tag der Gläsernen Produktion für einen ersten CNG-Fahrer- und -Infotag. Einige Mitglieder und CNG-Fahrer samt Familien trafen sich in Weitenau nichtnur zum Erfahrungsaustausch, sondern auch, um allen interessierten Besuchern ihre Fragen rund um die CNG-Mobilität anhand aktueller CNG-Autos zu beantworten. Sogar aus Hamburg, Hannover, Osnabrück, Leipzig, München und dem Ruhrgebiet kamen Club-Mitglieder auf den Energiehof in Weitingen.

Club-Vorstand Birgit Maria Wöber und Staatssekretär Barthle, der auch Club-Schirmherr ist, sind sich sicher: 

Der CNG-Antrieb wird noch auf lange Sicht gebraucht und ist die Rettung des Verbrennungsmotors.
 

Energielandwirt des Jahres

Winfried Vees erhielt im vergangenen Jahr die Auszeichnung „Energielandwirt des Jahres“. Er sieht gerade mit der Biomethanaufbereitung für landwirtschaftliche Fahrzeuge eine große Chance für Biogasanlagenbetreiber, die sich jetzt für die Zeit nach der EEG-Förderung von 20 Jahren umsehen. Die Landwirtschaft hat mit Biomethan direkt vor Ort einen sauberen und wirtschaftlichen Kraftstoff aus Reststoffen und Abfällen aus der Region. Dafür müßten aber jetzt die entsprechenden Weichen gestellt werden, so Vees im Gespräch mit Staatssekretär Barthle.

Tankstellen im Nachteil

Biomethan-Tankstellen auf landwirtschaftlichen Betrieben seien aber im Nachteil, da sie mangels vorhandener Kunden klein anfangen müßten und auch nicht an der Förderung nach dem Treibhausgasminderungsgesetz teilnehmen könnten. Das lohne sich nur für große Marktakteure, wie besonders die Erfahrungen aus den ersten zwei Betriebsjahren der Biomethan Tankstelle zeigten. Inzwischen gibt es zwar in Eutingen einen festen Kundenstamm, der aber nur sehr langsam wachse.

Bürokratie verringern

Auf jeden Fall möchte Vees die gewonnenen Stammkunden, die extra wegen ihm ein CNG-Fahrzeug kauften, unbedingt weiter bedienen. Dazu müßte sich aber endlich der bürokratische Aufwand verringern, den er für seine kleine Tankstelle betreiben müsse. Vees fordert daher von der Politik endlich vereinfachte Regeln und besondere Unterstützung, damit nach seinem Vorbild mehr kleine Biomethan-Tankstellen errichtet werden und auch wachsen können. Das seien die Voraussetzungen, für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Neue Aufbereitungsanlage

Was Energiewirt Vees aber gerne anders machen würde, ist die Biogasaufbereitung, von der er nicht mehr ganz überzeugt ist. Sie funktioniert nicht so effizient wie erwartet und vom Hersteller angekündigt. Außerdem reicht die vorhandene Technik, zwar für fünf Fahrzeuge pro Tag, aber für mehr Kunden muß er sich nach einer anderen Lösung umsehen. Vees favorisiert dazu momentan die Firma Apex AG aus der Schweiz, die auch mit einem Infostand vertreten war und über ihre Tankstellen für Biomethan informierte. Energie AUS PLANZEN berichtete in Ausgabe 2/2015 ausführlich über das Schweizer Konzept der Hoftankstelle.

Fachverband

Claudius da Costa Gomez, Hauptgeschäftsführer des Fachverband Biogas, der mit dem „Biogasbus“ des Vereins gekommen war, hob die bedeutsame Pionierleistung der Familie Vees hervor und wandte sich auch direkt an Staatssekretär Barthle. Nach wie vor verdient Vees kein Geld mit der Biomethan-Tankstele und legt ordentlich drauf, um den eigenen Kraftstoff
klimafreundlich tanken zu können und die Technik unter den Landwirten bekannt zumachen. Wenn die Politik angesichts von Dieselproblematik und Klimaschutz-Bemühungen die CNG-Traktoren auf die Höfe bringen möchte, sei jetzt noch weitere Unterstützung und Förderung nötig, so da Costa Gomez.

Fazit

Alles im allem war das Ehepaar Vees sehr zufrieden, daß rund 800 Besucher das große Rahmenprogramm mit über zehn Ausstellern und die Führungen so gut angenommen haben. Die besondere Chance, die für privaten und landwirtschaftlichen Verkehr in diesem Bereich der nachhaltigen Kraftstoffproduktion mit aufbereitetem Biogas liegt, konnte so über die Grenzen der Region hinweg dargestellt und im besten Fall für die Zukunft verankert werden.

Text und Bilder: Dominik Dörrie August 2017

Odoo CMS - Gallery sample
Odoo CMS - Gallery sample
Odoo CMS - Gallery sample
Odoo CMS - Gallery sample
Odoo CMS - Gallery sample

Teilen